Frankfurt hat in den vergangenen zehn Jahren rund 100.000 Einwohner hinzugewonnen. Die Stadt zählt heute etwa 780.000 Menschen, und dieser Zuwachs macht sich nicht nur auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar, sondern auch in den Wartezimmern der Ämter. Wer schon einmal um sieben Uhr morgens vor dem Bürgeramt in der Zeil angestanden hat, weiß, wovon die Rede ist. Die gute Nachricht: Viele Behördengänge lassen sich inzwischen vermeiden oder zumindest deutlich abkürzen.
Was die Stadt Frankfurt digital anbietet
Das Frankfurter Stadtportal hat in den vergangenen Jahren seinen Leistungskatalog spürbar ausgebaut. Über das Online-Angebot der Stadt können Bewohnerinnen und Bewohner heute unter anderem Wohnraum anmelden, Führungszeugnisse beantragen, Kfz-Kennzeichen wechseln oder Bewohnerparkausweise verlängern, ohne einen Fuß in ein Amt zu setzen. Auch die Gewerbeanmeldung läuft für unkomplizierte Fälle elektronisch, sofern man einen Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion besitzt.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamts nutzen bundesweit noch immer weniger als 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Online-Dienste ihrer Kommune regelmäßig. Der Hauptgrund ist fehlende Bekanntheit, nicht mangelndes Interesse. Viele wissen schlicht nicht, dass der Gang zum Amt gar nicht nötig wäre.
Ummeldung, Ausweis, Führungszeugnis: Was wirklich online geht
Die Ummeldung des Wohnsitzes ist der häufigste Behördengang in Frankfurt. Wer innerhalb der Stadt umzieht oder aus einer anderen Gemeinde zuzieht, ist verpflichtet, sich innerhalb von zwei Wochen anzumelden. Das regelt das Bundesmeldegesetz. Wer in einer Gemeinschaftsunterkunft oder einem Wohnheim lebt, braucht dafür eine Wohnungsgeberbestätigung des Vermieters. Ohne dieses Dokument läuft nichts, auch digital nicht.
Anders beim Führungszeugnis: Das lässt sich seit einigen Jahren komplett über das Bundesportal beantragen, Gebühr inklusive, und kommt innerhalb von wenigen Werktagen per Post. Gleiches gilt für den vorläufigen Reisepass oder den Personalausweis, zumindest was die Beantragung betrifft. Abholen muss man ihn nach wie vor persönlich oder per Postident-Verfahren.
Für einen ersten Überblick über mögliche Anlaufstellen, Öffnungszeiten und Zuständigkeiten lohnt ein Blick zum Anbieter, der Informationen zu Behörden in verschiedenen deutschen Städten bündelt und schnell zeigt, welches Amt für welches Anliegen zuständig ist.
Termine und Wartezeiten: Die Realität im Bürgeramt
Trotz aller Digitalisierung ist der persönliche Termin im Frankfurter Bürgeramt für viele Anliegen noch Pflicht. Das Biometrietfoto für den neuen Ausweis nimmt die Maschine ab, die Fingerabdrücke ebenfalls, aber Unterschrift und Identitätsprüfung brauchen einen Menschen auf der anderen Seite des Schalters.
Das Terminproblem ist real. Wer kurzfristig einen Termin in einem der Frankfurter Bürgerämter buchen will, wartet in der Regel vier bis acht Wochen. Wer reist oder dringend einen gültigen Ausweis braucht, kann einen vorläufigen Reisepass beantragen, der innerhalb weniger Tage ausgestellt wird, allerdings nur 12 Monate gültig ist und nicht für alle Länder akzeptiert wird.
Empfehlenswert: Die Terminbuchung regelmäßig prüfen, da Stornierungen freie Slots kurzfristig wieder verfügbar machen. Viele Frankfurter berichten, dass sie auf diese Weise auch ohne lange Vorlaufzeit an einen Termin gekommen sind.
Gewerbeanmeldung und Unternehmensstart in Frankfurt
Frankfurt ist Finanzplatz, Messestadt und Gründerregion zugleich. Wer ein Unternehmen anmelden will, landet beim Gewerbeamt der Stadt, das zum Ordnungsamt gehört. Die Gewerbeanmeldung für ein einfaches Einzelunternehmen kostet zwischen 20 und 40 Euro je nach Stadtteil und Sachbearbeitung und ist seit 2021 auch online möglich, sofern das Gewerbe keine besondere Erlaubnis erfordert, etwa im Gaststättenbereich oder bei zulassungspflichtigen Handwerken.
Komplizierter wird es bei GmbH-Gründungen oder Handwerksbetrieben. Hier sind Handelsregistereintrag, notarielle Beglaubigung und Eintragung in die Handwerksrolle separate Schritte, die eigene Fristen und Zuständigkeiten haben. Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt bietet dafür kostenlose Erstberatungen an und erklärt, welche Schritte in welcher Reihenfolge nötig sind.
Für wen ein persönlicher Gang unvermeidlich bleibt
Es gibt Situationen, in denen kein digitaler Weg hilft. Dazu gehören:
- Erstmalige Beantragung eines deutschen Personalausweises
- Namensänderung nach Heirat oder Scheidung
- Anmeldung als wohnungslos
- Beglaubigte Abschriften aus dem Geburtenregister
- Anliegen mit notarieller Beurkundungspflicht
In diesen Fällen hilft nur die frühzeitige Terminbuchung. Wer sechs bis acht Wochen plant, kommt in der Regel ohne Stress durch. Wer in Zeitnot ist, sollte prüfen, ob benachbarte Bürgerämter im Rhein-Main-Gebiet schneller verfügbar sind. Bad Homburg, Offenbach oder Darmstadt haben teils kürzere Wartezeiten und sind mit dem ÖPNV gut erreichbar.
Was sich in den nächsten Jahren ändern wird
Das Onlinezugangsgesetz verpflichtet Bund, Länder und Kommunen seit 2017, ihre Verwaltungsleistungen digital anzubieten. Die ursprüngliche Frist 2022 wurde verfehlt, die Umsetzung läuft schleppend. Frankfurt gehört zu den Städten, die trotzdem Fortschritte gemacht haben, unter anderem durch die Nutzung des bundesweiten Servicekontos und die Integration in das System der BundID.
Realistisch betrachtet wird der vollständig digitale Behördengang für alle Lebenslagen noch einige Jahre auf sich warten lassen. Wer heute in Frankfurt lebt, sollte beide Wege kennen: die digitale Abkürzung für alles, was sich delegieren lässt, und den gut geplanten Termin für das, was persönliche Anwesenheit verlangt. Gut informiert und mit den richtigen Unterlagen ist kein Behördengang ein echtes Problem.