Wer in Deutschland ein Konto eröffnen will, steht vor einer Grundsatzentscheidung: klassische Filialbank mit Berater vor Ort oder Direktbank, die ausschließlich online oder per Telefon erreichbar ist. Die Antwort hängt weniger von allgemeinen Trends ab als von der eigenen Situation. Wer selten Bargeld braucht und seine Finanzen selbstständig im Griff hat, wird mit einer Direktbank oft besser fahren. Wer regelmäßig Beratung sucht oder komplexere Bankgeschäfte abwickelt, braucht möglicherweise die Filiale.
Was Filialbanken bieten und was sie kosten
Filialbanken wie Sparkassen, Volksbanken oder die Deutsche Bank unterhalten ein dichtes Netz aus Filialen und Geldautomaten. Der Vorteil liegt auf der Hand: persönlicher Kontakt zu einem festen Ansprechpartner, Beratung bei Krediten, Geldanlagen oder der Altersvorsorge. Wer ein Baufinanzierungsgespräch führen oder eine Erbschaft abwickeln will, schätzt diesen direkten Draht.
Der Preis dafür ist spürbar. Viele Filialbanken verlangen für ein einfaches Girokonto zwischen 5 und 15 Euro monatlich. Die Postbank etwa berechnet für ihr Basis-Konto ohne Mindestgeldeingang 5,90 Euro pro Monat. Bei der Commerzbank sind es je nach Modell bis zu 12,90 Euro. Hinzu kommen Gebühren für Kreditkarten, Überweisungen am Schalter oder Kontoauszüge auf Papier. Über das Jahr summiert sich das schnell auf mehrere Hundert Euro.
Filialdichte und Erreichbarkeit variieren stark. In Städten ist das kein Problem. In ländlichen Regionen dagegen schließen Filialen seit Jahren in großer Zahl. Laut Bundesbank sank die Zahl der Bankstellen in Deutschland von rund 40.000 im Jahr 2010 auf unter 24.000 im Jahr 2023. Wer auf dem Land lebt und auf eine nahe Filiale angewiesen ist, sollte das bei der Wahl prüfen.
Was Direktbanken leisten und wo sie sparen
Direktbanken verzichten auf Filialen und geben die eingesparten Kosten teilweise an Kunden weiter. Das Girokonto ist bei Anbietern wie ING, DKB oder Comdirect häufig dauerhaft kostenlos, zumindest wenn ein monatlicher Mindestgeldeingang erreicht wird. Bei der ING sind das 700 Euro, bei der DKB 700 Euro ab dem zweiten Nutzungsjahr. Wer diese Schwelle nicht erreicht, zahlt auch dort inzwischen Gebühren, meistens zwischen 4 und 9 Euro im Monat.
Tagesgeld- und Festgeldkonditionen fallen bei Direktbanken häufig besser aus. Das liegt daran, dass sie günstiger wirtschaften und diese Marge zumindest teilweise weitergeben. Wer Ersparnisse parkt, sollte Angebote konkret vergleichen. Portale wie bankscore.de listen aktuelle Konditionen strukturiert auf und erleichtern den Überblick erheblich.
Die Kehrseite: Wer einen Kredit braucht oder ein Depot eröffnen will, kommuniziert ausschließlich per App, Chat oder Telefon. Für viele Kunden funktioniert das reibungslos. Wer aber bei einem komplexen Problem schnell einen Ansprechpartner vor Ort braucht, stößt bei Direktbanken an Grenzen. Wartezeiten im Telefon-Support von 20 bis 45 Minuten sind keine Ausnahme.
Für wen sich welches Modell eignet
Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Sinnvoll ist eine Einschätzung anhand konkreter Kriterien:
- Selbstständige und Freiberufler haben oft wechselnde Einnahmen und brauchen Flexibilität bei Kreditlinien oder Geschäftskonten. Hier lohnt sich ein Gespräch mit einer Filialbank, die individuelle Lösungen anbieten kann.
- Studierende und junge Berufstätige profitieren von kostenlosen Direktbankkonten mit gut gestalteten Apps, einfachen Überweisungen und oft kostenlosen Kreditkarten für Auslandsreisen.
- Familien mit Immobilienwunsch sollten sich bei der Baufinanzierung nicht auf eine einzelne Bank beschränken, aber ein gutes Verhältnis zur Hausbank kann bei der Verhandlung helfen.
- Rentner und ältere Kunden bevorzugen oft den Schalterbesuch, schon wegen der gewohnten Abläufe. Wer seine Bank seit Jahrzehnten kennt, wechselt nicht leichtfertig.
- Vielreisende sollten auf Fremdwährungsgebühren achten. Einige Direktbanken bieten kostenlose Abhebungen weltweit an, Filialbanken selten.
Das Hybridmodell als Mittelweg
Viele Menschen nutzen heute beides: ein Direktbankkonto für den Alltag und ein Konto bei einer Filialbank für spezifische Beratungsleistungen. Das ist durchaus sinnvoll, solange die Gebühren insgesamt im Rahmen bleiben.
Ein konkretes Beispiel: Girokonto bei der ING kostenlos, Tagesgeld ebenfalls dort, und für die Baufinanzierung eine persönliche Beratung bei der lokalen Sparkasse. Die Konten lassen sich per App verwalten, und der Berater bei der Sparkasse kennt die lokale Immobiliensituation. Diese Kombination macht für viele Haushalte rechnerisch und praktisch Sinn.
Wichtig dabei: Wer mehrere Konten führt, sollte den Überblick behalten. Zwei Konten mit Mindestgeldeingangspflicht können schnell zu einem Problem werden, wenn das Gehalt nur auf ein Konto eingeht.
Wechsel: weniger aufwendig als gedacht
Ein häufiges Argument gegen den Bankwechsel ist der befürchtete Aufwand. Tatsächlich sind Banken seit 2016 gesetzlich verpflichtet, den Kontowechsel aktiv zu unterstützen. Das schließt die Übertragung von Daueraufträgen und Einzugsermächtigungen ein. Der gesamte Prozess dauert in der Regel nicht länger als zwei bis drei Wochen.
Wer wechseln will, sollte dennoch eine Checkliste abarbeiten: alle bestehenden Lastschriften notieren, Arbeitgeber über neue Bankverbindung informieren, laufende Daueraufträge übertragen, altes Konto erst nach einer Übergangsfrist von mindestens vier bis sechs Wochen kündigen. So entstehen keine Lücken bei automatischen Zahlungen.
Konditionen konkret vergleichen, nicht auf Werbung verlassen
Die meisten Banken bewerben ihre Angebote mit Ausnahmekonditionen, die oft nur für Neukunden oder bestimmte Zeiträume gelten. Wer nach einem Jahr merkt, dass das Tagesgeld von 3,5 Prozent inzwischen auf 0,8 Prozent gesunken ist, ärgert sich zu Recht. Dauerhaft günstige Konditionen finden sich seltener als die Werbung suggeriert.
Deshalb lohnt es sich, Angebote regelmäßig zu prüfen, nicht nur bei der Erstentscheidung. Wer vor einigen Jahren eine Direktbank gewählt hat und nie wieder hingeschaut hat, verpasst möglicherweise bessere Alternativen. Das gilt für Tagesgeld genauso wie für Girokontogebühren oder Kreditkartenmodelle.
Die Entscheidung zwischen Filialbank und Direktbank ist letztlich keine ideologische, sondern eine pragmatische. Wer seinen eigenen Bedarf kennt, die echten Kosten berechnet und Angebote nüchtern vergleicht, trifft die richtige Wahl für seine Situation.